Top End Art

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Hauptthema / -motiv in der Kunst aus dem Top End sind bis heute die Überlieferungen der Schöpfungsgeschichte (die im Eastern Arnhem Land Wanarrn heißt) sowie heilige Clan-Designs (miny´tji), die ihrerseits auf den Zeichen und Mustern der von den Schöpferahnen gestalteten Charakteristika der Landes und des Wassers, sowie denen der einheimischen Pflanzen und Tiere beruhen. Diese stammen von den Schöpferheroen selbst und werden bei heiligen Zeremonien auf Körper gemalt. Nur durch die Ergänzung mit Figuren und Mustern aus dem Profeanen werden sie ihres heiligen Charakters enthoben und dürfen verkauft werden.

Vom Medium her wird hier mit natürlichen Erdpigmenten auf Rinde, von Termiten ausgehöhlten Baumstämmen (sogenannte Larrakitj) und Holzskulpturen (meist Abbilder von Geistwesen, sogenannte Mokuy) gemalt. Stilistisches Merkmal sind hier die Kreuzschraffuren der Clan-Designs, die im westlichen Arnhemland rarrk und im östlichen Arnhemland marvat genannt werden.

Kunst aus Eastern Arnhem Land gehörte zu den ersten indigenen Kunstformen Australiens, denen durch Museumsausstellungen bereits in den 1950er Jahren Bedeutung als eine (der westlichen Kunst) gleichwertige Kunsttradition beigemessen wurde. Auch gehört Kunst aus Yirrkala zu den ersten indigenen Kunstformen, die für politische Zwecke, i. W. für den Beweis von Land- und Seerechten, eingesetzt wurde.

 

LARRAKITJ (GEDENKPFÄHLE) UND DIE SEPULKRALKULTUR DER YOLŊU

Bestattungszeremonien nehmen bei den indigenen Australiern eine besondere Stellung ein. Krankheit und Tod sind für sie nicht notwendigerweise ein natürlicher Prozess sondern Folge von Magie oder der Begegnung mit gefährlichen Geistern. Damit der Geist eines Toten ruhen kann, darf der Name des Verstorbenen für lange Zeit nicht ausgesprochen werden und wird durch ein anderes Wort substituiert. Die Bestattung der Knochen fand zum ersten Mal in der Schöpfungszeit (Madarrpa, Marayin, Djan) statt.

Die Angehörigen der Dhuwa-Moiety legen den  Körper eines Verstorbenen in einer ersten Bestattung auf eine Plattform in einem Baum. Einen Monat bis ein Jahr später kommen die Angehörigen singend und tanzend dorthin zurück, um die Knochen einzusammeln und mit rotem Ocker zu bemalen. Sie werden in ein Behältnis aus Papierrinde gelegt und den Verwandten übergeben. Eine zweite Bestattungszeremonie stellt sicher, dass der Geist zu seinem totemistischen Ort findet. Die Angehörigen sind mit weißem Ocker bemalt und trauern durch heftiges Wehklagen und dem sich Zufügen von blutenden Verletzungen. Während der Zeremonie zerschlagen enge Verwandte die Knochen des Toten und legen diese in einen mit Clanmuster verzierten Larrakitj (Baumsarg, der auf natürliche Art und Weise von Termiten ausgehöhlt wurde), der dann der Verwitterung überlassen wird.
Die spirituellen Seelen (Mokuy) werden vom den Mokuy bereits früher Verstorbener auf den heiligen Grund Balambala gerufen, bevor sie fortan mit den großen Schöpferahnen auf der Toteninsel Buralku zusammenleben.
Die ausgestellten Larrakitj sind alle unbenutzt. Bei Ihnen steht die künstlerische Ausführung im Vordergrund, die nichtsdestotrotz zur Aufrechterhaltung der Kultur und der Kontaktaufnahme mit den Schöpferahnen dient.


MOKUY (GEISTER)

Die Aborigines betrachten die Seele des Menschen als zweigeteilt: nach dem Tod helfen die Ahnenwesen der 'realen' Seele (Birimbir) zurück an ihren heiligen Ursprungsort in ihrem Clanland, wo sie bis zu ihrer Wiedergeburt umherstreift. Die 'spirituelle' Seele (Mokuy) aber lebt fortan mit den großen Schöpferahnen auf der Toteninsel Buralku. Zuvor wird sie zur Vorbereitung von den Mokuy bereits Verstorbener auf den heiligen Grund Balambala gerufen. Die Dhuwa-Mokuy kommen vom rangi (Salzwasser) her, die Yirritja-Mokuy kommen auf einem djilawurr (Buschhuhn) oder einer bugutj-bugutj (Weißkopf-Flaumfußtaube) dorthin. Gerufen werden Sie vom Klang des Yidaki (Didgeridoo), das die Schöpferahnen für die spirituellen Seelen erklingen lassen.
Hölzerne Abbilder von Schöpfungsahnen und Geistern wurden schon seit langer Zeit für geheime heilige Zeremonien geschnitzt. Diese Tradition geht voraussichtlich auf den frühen Kontakt mit den Macassen zurück. Man geht jedoch davon aus, dass sie eine andere Größe hatten als die, die von dem Künstler Nawurapu Wunuŋmurra zum Verkauf hergestellt werden.


Fotos (v.l.n.r.):Napuwarri Marawili: Yathikpa, 2009 (Detail) © Buku-Larrŋgay MulkaNapuwarri Marawili: Yathikpa, 2009; Nawurapu Wunuŋmurra: Mokuy, 2016; Wukun Wanambi: Wawurrtjpal, 2016 (v.l.n.r.) © ARTKELCH | Buku-Larrŋgay MulkaWukun Wanambi: Wawurritjpal, 2016 (Detail) © Buku-Larrŋgay Mulka