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Malaluba Gumana: Dhatam


Details

  • Nr.:RKS1426
  • Medium:Natürliche Erdpigmente auf Larrakitj
  • Größe:237 × 15 cm
  • Jahr:2019
  • Region:Arnhem Land (East)
  • Kunstzentrum:Buku-Larrŋgay Mulka

Diese Arbeit stellt Garrimala dar, ein Billabong in der Nähe der Heimat der Künstlerin: dem Land des Dha`waŋu-Clans rund um Gängan. Es ist ein heiliger Ort für den Gälpu-Clan ihrer Mutter. Aber diese Darstellung bezieht sich vielleicht in Wirklichkeit auf die älteste kontinuierliche ikonographische religiöse Praxis: die Geschichte der Regenbogenschlange. Schätzungen zu ihren Abbildungen in Felsunterschlüpfen im westlichen Arnhemland reichen von 40.000 bis 6.000 Jahren.

Wititj ist die übermächtige Regenbogenschlange (Olivpython), die in der Schöpfungszeit (Waŋarr) durch das Clanland von Gälpu und darüber hinaus reiste. Djaykuŋ, die javanische Warzenschlange, ist ihr Begleiter und möglicherweise eine Inkarnation von Wititj; sie lebt unter den dhatam (Wasserlilien), wo sie auf der Wasseroberfläche kleine Wellen und Regenbögen (djari) erzeugt – einen Hinweis darauf gibt es in der Kreuzschraffur. Die Geschichte von Wititj erzählt von Sturm und Monsun in der Schöpfungszeit. Es gibt spezifische Hinweise auf ihre Vermählung am Anfang der Regenzeit, wenn die djarrwa (viereckige Gewitterwolken) sich formen und erste Blitze zucken.

Das miny’tji (heiliges Clan-Design hinter den Seerosen) des Gälpu-Clans stellt djari (Regenbögen) und die Kraft der Blitze in ihnen dar. Es bezieht sich auch auf die Kraft des von Wititj erzeugten Sturms; die durch diagonale Striche dargestellt wird, die Bäume repräsentieren, die umstürzten, als Wititj umherzieht. Die Rippen der Schlange bilden hier die Basis des heiligen Designs. Die Sonne scheint auf ihre Schuppen, wodurch ein Prisma mit allen Regenbogenfarben entsteht. Der Bogen, durch den sich eine Schlange bewegt, hat die Form eines Regenbogens, aber der Ölfilm bricht die Regenbogenfarben. Die Kraft des Blitzes manifestiert sich, wenn die Schlangen mit ihrer Zunge schnalzen. Der Donner ist das Geräusch, das sie machen, wenn sie über den Boden gleiten.

Am Morgen nach einem größeren Zyklon schlängeln sich Streifen von Stringybark durch den Busch – genauso wie eine normale Schlange von geübten Trackern anhand ihrer Spuren im Gras verfolgt werden kann. Nach dem Zyklon Monica gab es über fast die gesamte Strecke von Maningrida nach Jabiru hinweg eine Schneise durch den Stringybark-Wald.

In Begräbniszeremonien für Gälpu nehmen die Schlangenlinien der Tänzer die Form von Wititj an und schlängeln sich auf der Suche nach ihrem Platz durch den Sand. Wenn der Geist anhält, nimmt er die Haltung einer Schlange ein, die ihren Kopf in eine Astgabel legt, was als Galmak bekannt ist, die endgültige Ruhestatt von Wititj. Andere Verweise finden sich in den Sträußen aus Blättern, die Tänzer in ihren Händen halten: vielleicht wie ein Regenbogen nass und in der Sonne schimmernd. Dieses Muster ist die Wut des Sturms, wie man sie durch das Relief des Überlebenden sieht, wenn der Sturm mit seinen Wolken weiterzieht und die Sonne wieder scheint. Die Punkte innerhalb des Kreises stellen die Samen und Früchte der Seerosen dar.

Larrakitj wurden bei den Yolŋu in North-East Arnhem Land traditionell als Beinhaus oder Knochenbehälter verwendet, die als Erinnerung an einen toten Angehörigen bis zu zehn Jahre nach dessen Tod aufgestellt wurden. Nach dem Tod wurde der Körper des Verstorbenen oftmals im Rahmen einer Zeremonie auf eine erhöhte Plattform gelegt und für eine angemessene Zeit den Elementen überlassen. Der Ort wurde dann bis zur nächsten Phase des Rituals verlassen.

Diese nächste Phase fand statt, wenn entschieden war, dass die reale Seele des Verstorbenen ihre zyklische Reise zu der Quelle, aus der sie gekommen war, vollendet hatte, von der sie zu gegebener Zeit wiedergeboren würde. Dies konnte einige Jahre dauern. Während der Körper “aufgebahrt” war, bekamen andere Wind von dem Tod, vielleicht durch unterschwellige Botschaften, und bereiteten sich vor, zu der Totenstätte zu reisen. Üblicherweise war dann genug Zeit verstrichen, so dass die Knochen des Verstorbenen auf der Plattform auf natürliche Weise gereinigt worden waren. Das Wesen der Seele in den Knochen wurde für die letzten Zeremonien vorbereitet, während andere entferntere Teilnehmer ankamen, die für die sichere Reise gebraucht wurden. Das Ritual sah vor, dass die Knochen des Verstorbenen in dem von Termiten ausgehöhlten Erinnerungspfahl zur letzten Ruhe gelegt wurden. Das Bestattungsritual endete damit, dass der Larraktij, der die Knochen enthielt, im Busch aufgestellt wurde. Im Lauf der Zeit wurden der Larrakitj und sein Inhalt wieder zu Mutter Erde zurückkehren.

Der Larrakitj wird häufig als Mutterleib bezeichnet. Sobald sesshafte Missionsgemeinden in Arnhem Land errichtet wurden, war es nicht mehr durchführbar, eine dauerhafte Gemeinde zu verlassen, und es wurde verboten, die Körper auf eine Plattform zu legen. Dennoch bleiben die Kosmologie der Yolngu und das Wesen der Bestattungszeremonie ebenso wichtig. Larrakitj werden weiterhin hergestellt und analog zu einem Grabstein verwendet oder auch um die persönlichen Gegenstände des Verstorbenen aufzubewahren (die aufgrund der Emanation durch Kontakt mit dem Toten gefährlich sein können, wenn sie von den Lebenden nicht beseitigt werden).

Eine weitere Rolle dieses kulturellen Gegenstandes ist die eines Kunst- und Lehrobjektes für jüngere Generationen. Kunstwerke dieser Art beinhalten viele Schichten von Metaphern und Bedeutungen, die von den Beziehungen zwischen einem Menschen und bestimmten Teilen des Landes (sowohl Land als auch Meer) und den Verbindungen zwischen verschiedenen Clans erzählen, aber auch die Mächte erklären, die über und in der Umwelt herrschen, sowie die Mechanismen, wie ein Geist seinen Weg durch das Sein zurücklegt. Das Wissen, auf das sich diese Bildsprache bezieht, vertieft sich in Komplexität und Geheimhaltung, je mehr eine Person in dem lebenslangen Lernprozess fortschreitet.

Larrakitj | Lorrkon | Tutini sind Skulpturen aus Holz, die sich unterschiedlichen Raumtemperaturen anpassen. Kleine Haarrisse sind bei diesen Arbeiten daher nichts Ungewöhnliches.
Das Kunstwerk steht unter besonderem Schutz. Jegliche Form der Abbildung, auch von Teilen, erfordert die Genehmigung des Künstlers, bei deren Beschaffung wir gerne behilflich sind.